Während des Schreibens meines letzten Artikels habe ich ausversehen auf ‘Veröffentlichen’ gedrückt und schwupps, war der Beitrag online. Nun gut, dann gab es eben zwei Beiträge an einem Tag, was nach solch einer langen Pause wahrscheinlich auch angebracht war. Die Pause war allerdings bitter nötig um nun über den letzten Teil unserer Ring of Kerry Reise vom letzten Juni zu berichten, nach welchem ich mich für mehrere Tage erholen musste und immer noch ein mulmiges Gefühl im Magen verspüre wenn ich nur dran denke.

Skellig Michael ist die größere der zwei Skellig Inseln, Great Skellig und Little Skellig, welche der Grafschaft Kerry angehören und 12km von der Hauptinsel entfernt im Atlantik liegen. Skellig Michael umfasst 22 Hektar, der höchste Punkt liegt mit 217 Metern im Süden der Insel. Die Insel hat zwei Gipfel, auf dem im Norden liegenden Gipfel befindet sich eine alte Mönchssiedlung. Diese wurde im 7. Jahrhundert errichtet und besteht aus mehreren Steinhütten, die aufgrund ihrer Form auch ‘Bienenkorbhütten’ genannt werden. Es ist kaum zu glauben, dass in diesen aus Stein zusammengesetzten Häusern einmal Mönche gelebt haben und auf der kleinen Insel, so weit vom Festland entfernt, Wind und Regen ausgesetzt waren. Neben den Hütten, etlichen Puffins, und Steilwänden zu jeder Seite, hatten die Mönche lediglich ein paar Gartenbeete in denen sie Gemüse und Kräuter anpflanzten. Die Mönche verließen Skellig Michael im 9. Jahrhundert und die Insel mit ihrer Mönchssiedlung war gegen 1500 das Ziel von etlichen Wallfahrten. Die Siedlung wurde im Jahre 1986 restauriert und 10 Jahre später zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Skellig Michael kann heutzutage mit kleinen Fischerbooten erreicht werden, es besteht die Möglichkeit die Insel zu umrunden oder für einen Aufpreis zwei Stunden auf der Insel zu verbringen. Letzteres haben wir für unseren dritten Tag in Kerry geplant!

Ein Trip auf die Insel ist ein teurer Spaß und um zwei Stunden auf der Insel zu verbringen muss man mit 70 Euro pro Person rechnen. Wir wollten unseren Trip einige Wochen im Vorraus buchen, mussten aber feststellen, dass dies nicht möglich ist, da viele Boote Buchungen erst ein oder zwei Tage vor dem gewünschten Datum annehmen. Der Trip nach Skellig Michael ist verständlicherweise sehr stark vom Wetter abhängig.

Wie in meinen letzten Beiträgen über den Ring of Kerry (Teil 1 | Teil 2) zu lesen war, hatten wir leider kein Glück mit dem Wetter und so hat es auch an dem Tag, welcher für den Auflug nach Skellig Michael angedacht war, aus Strömen geregnet. Wir haben uns jedoch trotzdem ins Auto gesetzt und sind nach Caherdaniel gefahren. Dort saßen wir am Hafen, in userem muckeligen Auto und schauten hinaus in den strömenden Regen. Nun gab es allerdings kein zurück und dick eingepackt gingen wir hinunter zum Steg, wo das kleine Fischerboot schon angelegt hatte. Bei zum starkem Seegang werden die Touren nach Skellig Michael abgesagt, anscheinend war es an diesem Tag allerdings nicht so schlimm…….wir bekamen zusätzlich zu unseren Klamotten ‘Oilskin’ Regenjacke und – hose und kletterten ins Boot. Hätte ich gewusst was auf mich zukommt, wäre ich wahrscheinlich sofort wieder ausgestiegen. Hier seht ihr die Route, die unser Boot genommen hat (erstellt aus den paar Erinnerungen, die ich von unserer Bootsfahrt mit offenen Augen sammeln konnte)

Die erste halbe Stunde der Fahrt war gar nicht mal so schlimm, der Wind fegte uns um die Ohren und die Gischt spritzte uns ins Gesicht. Man konnte noch Land sehen und die Möwen beim Sturzflug beobachten. Ich redete mir ein, dass ich diesmal nicht seekrank werden würde. Die erste Person der schlecht wurde, war ein junger Mann, der anscheinend die Nacht zuvor im Pub verbracht hatte. Als wir auf das offene Meer trafen, die Wellen höher wurden und der Horizont immer öfter aus Sichtweite verschwand wurden die Gesichter an Bord immer weißer und auch ich musste mich meinem Schicksal ergeben. Vor Abfahrt wurde uns gesagt, dass wir uns im Falle von auftretender Übelkeit in eine waagerechte Position begeben sollten und genau das tat ich. Mark, der aufgrund seines PhD’s schon mehrere Wochen am Stück auf einem Boot vebracht hatte kratzte das alles gar nicht und deligierte alle anderen ‘Steck deinen Kopf nicht durch die Reling wenn dir schlecht wird’, ‘Achtung, nicht gegen den Wind ko…’ – ihr wisst was ich meine. Die letzten 90 Minuten der Überfahrt verbrachte ich also liegend, in der Hoffnung, dass das Ganze bald ein Ende nehmen würde und wir auf Skellig Michael ankommen. Alle 5 Minuten spritzte mich eine ordentliche Portion Wasser ins Gesicht und wärmer wurde es auf dem Boot irgendwie auch nicht. Zwischendurch kam der Captain, welcher in seinem kleine Führerhaus den Elemten trotze, zu uns und brachte kandierten Ingwer, welcher gegen Übelkeit helfen sollte – esst diesen bloß nicht wenn euch eh schon schlecht ist, ich spreche da aus Erfahrung!


Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Skellig Michael in Sicht, zu 3/4 versteckt hinter einer dicken Wand aus Wolken. Der Anblick soll, laut Marks Erzählungen, sehr eindrucksvoll gewesen sein, ich konnte allerdings nur einen kurzen Blick auf die Insel werfen, bevor ich mich wieder in waagerechte Position begab. Nach dem Anlegen war die nächste Herausforderung auf die Insel zu kommen, da das Boot auf und ab schaukelte und wir waren alle froh, als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Nun hatten wir zwei Stunden Zeit um die Insel zu erkunden, wurden aber gewarnt, dass die Stufen, die zum Kloster führen, glitschig sein können und wir sehr vorsichtig sein sollen beim Aufstieg, da der Weg zum größten Teil an steilen Klippen entlangläuft. Genau was man nach einem zweistündigen Höllentrip hören möchte! Im Endeffekt war der Aufstieg nicht sehr schlimm, die Steilklippen konnten wir duch den Nebel eh nicht sehen und selbst wenn, wir waren von den tausenden, kleinen Puffins abgelenkt, die zu dieser Zeit auf der Insel gebrütet haben. Puffins, auch als Papageientaucher bekannt, sind kleine Meeresvögel mit schwarzem Gefieder und einem großen, orangen Schnabel. Die Papageientaucher leben lediglich auf den Inseln des nördlichen Atlantiks und westlichen Polarmeeres und sind als gefährdete Tierart eingestuft. Auf Island gibt es den größten Bestand mit 3-4 MIllionen Paaren, auf Skellig Michael brüten während der Sommermonate bis zu 1000 Papageientaucher, eine ordentliche Nummer für solch eine kleine Insel. Aus diesem Grund sollte man auch nicht von den Wegen abweichen, da die Vögel in kleinen Höhlen unter der Erde brüten und man diese natürlich nicht zum Einsturz bringen will.

Am Kloster angekommen bekamen wir eine kleine Führung und konnten die Anlage im Anschluss erkunden. Unglaublich, dass auf dieser Insel einmal Menschen gelebt haben. Mir kommen nur wenige Orte in den Kopf, die noch unbewohnbarer sind und wie sind die Mönche im 7. Jahrhundert überhaupt auf die Insel gekommen?  Die Hütten sind ohne Mörtel gebaut, der Wind pfeift also durch die aufeinandergeschichteten Steine und wirklich gemütlich war es mit Sicherheit nicht. Nachdem wir alles erkundet hatten ging es wieder zum Bootsanleger. Den südlichen Gipfel der Insel konnten wir durch den Nebel leider nicht sehen und auch sonst blieben uns die Ausblicke auf das Meer verwehrt. Viele Fotos konnte ich leider auch nicht machen, da ich etwas Angst um meine Kamera hatte und, wie man sieht, mit dem trocken wischen der Linse kaum hinterhergekommen bin.

Vor Abfahrt gab es für uns alle einen Ingwertee, der etwas bekömmlicher als der kandierte Ingwer war. Ich begab mich sofort wieder in die Waagerechte, schloss die Augen und stand die zweistündige Rückfahrt im Zenmodus durch – vielleicht hatte die Insel der Mönche doch einen größeren Einfluss auf mich, als ich dachte. Ich war unendlich froh, als die Rückfahrt überstanden war und alle Anwesenden verkrochen sich in Windeseile in ihre Autos und verließen den Hafen. Mark und ich hatten noch eine 3-stündige Autofahrt nach Cork vor uns, da wir am Abend zuvor entschieden hatten unseren Urlaub aufgrund des Wetters zu verkürzen. Wir wechselten in trockene Klamotten, drehten die Heizung auf und fuhren nach Kinsale, wo uns das Kaminfeuer im Wohnzimmer von Marks Eltern begrüßte. Nach einer Tasse Tee ging es für mich ins Bett, welches Gott sein Dank nicht schaukelte.

Das war also mein Trip nach Skellig Michael. Ja, es war ein Erlebnis und ich bin froh Skellig Michael und hunderte von Puffins gesehen zu haben und nein, ich würde es nicht so schnell wieder machen. Mark hat den Trip sehr genossen und falls ihr Skellig Michael einmal live erleben wollte, gibt es zum Abschluss meine Tips für einen erfolgreichen Ausflug:

  1. Macht diesen Trip nur, wenn ihr nicht seekrank werdet und wagt euch nicht auf ein Boot, wenn ihr die Nacht zuvor im Pub wart.
  2. Seit flexibel bei der Buchung eures Trips und behaltet im Hinterkopf, dass die Überfahrt bei schlechtem Wetter eventuell nicht stattfinden kann. Skellig Michael wird zudem nur zwischen Mai und September angefahren.
  3. Caherdaniel, Portmagee oder Valentia Island können als Startpunkt gewählt werden (die Fahrtzeit von Portmagee ist am Kürzesten), ihr solltet aber immer bis zu 5/6 Stunden einplanen.
  4. Zieht euch warm an und nehmt regenfeste Kleidung sowie Wanderschuhe mit.
  5. Elektronische Geräte sollten wasserfest verstaut werden.
  6. Habt eine Flasche Wasser und ein Sandwich dabei. Trinkt aber nicht zu viel, auf Skellig gibt es keine Toiletten.
  7. Genießt euren Ausflug (selbst bei nicht so gutem Wetter) und würdigt, was die Mönche vor so vielen Jahren ohne die Hilfe von moderner Technik erschaffen haben!

Nützliche Links:

Hättet ihr Lust Skellig Michael zu besuchen oder wart ihr schon einmal dort?

 

 

Categories: IrlandUnterwegs

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