Der Roadtrip durch Kerry sollte unser Sommerurlaub werden. Der Sommerurlaub, der auch tatsächlich im Sommer stattfindet und nicht im Winter. Den werden wir nämlich in Australien verbringen und ich kann euch gar nicht sagen wie sehr ich mich auf diesen Urlaub freue. Umso mehr, da unsere Woche in Kerry sprichwörtlich ins Wasser gefallen ist.

Wir haben den Bank Holiday (Feiertag) im Juni genutzt und die restlichen vier Tage der Woche freigenommen, haben uns ein Auto organisiert, ein Zelt ausgeliehen, die Wandersachen eingepackt und den Picknickkorb geschnappt. Voll beladen ging es in die Innenstadt Dublins und von dort mit dem Bus nach Cork. Eine Nacht wollten wir in Kinsale bei Marks Eltern verbringen (welche ihr Auto zur Verfügung gestellt haben) und am Sonntag nach Kerry aufbrechen. Zwei Nächte im B&B und zwei oder drei weitere Nächte im Zelt auf einem Campingplatz direkt am Meer im Kerry Dark Sky Reserve – das war unser Plan. Das Wetter hatte jedoch ganz andere Pläne, lockte uns erst mit Sonne und gab uns Hoffnung. Im Outdoorshop in Killarney kauften wir uns zwei Campingstühle und schlenderten durch die Innenstadt. Es dauerte jedoch nicht lange und die ersten Wolken zogen auf. Als wir in Richtung B&B aufbrachen war es auch schon vorbei mit den schönen Wetter. Von der Landschaft konnten wir nicht mehr viel sehen und wir waren froh als wir in unserem Zimmer waren. Durch den Regen, der auf das in die Dachschräge eingelassene Fenster prasselte, war der erste Abend sogar richtig gemütlich. Bis auf den Dienstag, welchen wir im Killarney National Park verbrachten, änderte sich wettertechnisch nicht sehr viel und unseren so genannten Sommerurlaub verbrachten wir größtenteils in Regenjacke- und Hose. Das B&B verlängerten wir um eine Nacht und das Vorhaben zu Campen wurde auf einen anderen, unbestimmten Zeitpunkt verlegt. An den drei Tagen, die wir in Kerry waren, haben wir uns jedoch nicht vom Wetter einschüchtern lassen. Wir haben den höchsten Gipfel Irlands bestiegen, die Insel der Mönche und Puffins erkundet und den Killarney National Park besucht. Um letzteren soll es sich in diesem Beitrag drehen.


(Quelle: http://www.kerrygems.com/kerry-gems-app/all-the-maps-you-need/killarney-maps/)

Killarney und Killarney National Park

Der Killarney National Park umfasst eine Fläche von 22 km², der Park beherbergt die ältesten noch verbliebenen Eichenwälder Irlands und steht unter dem Einfluss des Golfstroms, der für üppige Vegetation und ein mildes, feuchtes Klima sorgt.

Unser Hotel lag in der Nähe von Kenmare und mit dem Auto waren wir in 20 Minuten am Killarney National Park. Die Strecke war (ohne Nebel oder Regen) ein reiner Augenschmaus, die Landschaft atemberaubend schön. Der Killarney National Park ist durch seine Seenlandschaft, Gebirgsketten und üppige, grüne Wälder geprägt. Ich konnte mich gar nicht satt sehen und musste das eine oder andere mal an den Rand fahren, um die Aussicht zu genießen. Beim Fahren müsst ihr am Ring of Kerry immer besonders Acht geben. Gerade im Sommer ist er eines der Haupttouristenziele und von unglaublich vielen Bussen befahren. Die Busse fahren entgegen dem Uhrzeigersinn und kennen keine Gnade wenn ihnen ein Auto entgegenkommt…da fragt man sich doch manchmal ob die Bremsen dieser Busse überhaupt funktionstüchtig sind.

Der Killarney National Park liegt direkt an dem kleinen Städtchen Killarney, welches sind für einen kurzen Zwischenstop lohnt. Lasst euch allerdings gesagt sein, dass es im Sommer sehr voll sein kann, mit so einer Touristenhochburg habe ich nicht gerechnet!! Wir haben etwas außerhalb der Innenstadt geparkt (umsonst) und sind 10 Minuten gelaufen, haben uns ein wenig umgeschaut, etwas gegessen und uns dann mit dem Auto auf den Weg zur Ross Castle gemacht. Die Fahrt dauert (ohne Stau, welchen es während der Sommermonate anscheinend immer gibt) nur 5 Minuten. Wer sich sportlich betätigen möchte, kann sich in Killarney übrigens ein Fahrrad ausleihen und den Killarney National Park auf diesem Wege erkunden.

Ein Tip für alle Herr der Ringe Fans: in Killarney gibt es einen Pub der einzig und allein der Welt J.R.R. Tolkien gewidmet ist – The Shire Bar Killarney.

Ross Castle

Ross Castle ist eine Burganlage und liegt am Lough Leane. Killarney ist bekannt für seine Pferdekutschen, von denen bei unserer Ankunft einige vor der Burg geparkt waren. Die Kutschen fahren um den gesamten Park, über die Kosten etc. kann ich euch allerdings keine Informationen geben, da ich kein großer Fan von Pferdekutschen bin und diese Art des Sightseeings nicht unterstützen möchte – da laufe ich lieber zu Fuß oder leihe mir ein Fahhrad aus. Gleich nach den Pferdekutschen sind mir die Enten aufgefallen, von denen Ross Castle sprichwörtlich belagert zu sein scheint. Was für ein Quack-Konzert!

Man kann sich die Burg von außen ansehen oder an einer Tour teilnehmen, welche einen Einblick in das Innere der Berg ermöglicht. Dieses ist mit Einrichtungsgegenständen aus dem 16. und 17. Jahrhundert ausgestattet. Da wir nur einen kurzen Abstecher nach Ross Castle unternommen haben, haben wir uns mit dem dem Blick auf Lough Leane und einem Spaziergang um die Burg zufrieden gegeben und nicht an der Tour teilgenommen. Touren sind in Irland in der Regel aber sehr informativ, unterhaltsam und bezahlbar.

Muckross House und Lakes

Muckross House haben wir am zweiten Tag unseres Urlaubs besucht. Nachdem wir am Tag zuvor 5 Stunden im Regen gewandert sind und bis auf die Knochen durchnässt waren, haben wir eigentlich gar nicht mehr mit Sonnenschein gerechnet. Nach einem bewölkten Vormittag meinte es Kerry aber doch noch gut mit uns und wir konnten Muckross Castle, den Muckross Lake und die wunderschöne Landschaft, die Beides umgibt, unter blauem Himmel bewundern.

Besonders haben es mir die Gärten angetan, die mit so viel Liebe und Detail angelegt wurden und tip top in Stand gehalten werden. Es gibt etliche kleine Wege, große Wiesen, Dschungel, Kräutergärten, kleine Flüsse und vieles mehr. Nehmt euch auf jeden Fall einen Tag Zeit um Muckross House und seine Umgebung in Ruhe zu erkunden.

Wir haben uns für zwei Wanderwege entschieden: am Vormittag sind wir zum Torc Waterfall gelaufen (ca. 4,5km) und am Nachmittag um den Muckross Lake gewandert (ca. 15km).



Torc Waterfall

Bevor wir Muckross House besucht haben, waren wir am Torc Waterfall. Wer gerne wandert kann auch Beides verbinden und nicht nur um den See, sondern gleich im Anschluss zum Wasserfall wandern. Der Wasserfall ist gut besucht, da ihn wirklich alle Touristenbusse anfahren. Die Busgruppen haben allerdings nur wenig Zeit und besuchen den Wasserfall lediglich für einen Schnappschuss. Wir haben den Torc Waterfall nicht nur von unten bestaunt sondern sind die Stufen, die links vom Wasserfall liegen, hinaufgestiegen und sind einmal um den Torc Waterfall herumgelaufen. Ich war erstaunt wie viele Rhododrenbüsche in der Gegend wachsen, überall und in einer unglaublichen Farbenpracht. Das konnte nicht einmal der graue Himmel kaputt machen (leider kommt es auf den Fotos nicht so farbenfroh rüber wie es in Wirklichkeit war).

Gap of Dungloe

Es gibt Bustouren zum Gap of Dungloe, ob die sich lohnen weiß ich allerdings nicht. Wer den Nervenkitzel mag und gerne Auto fährt, dem empfehle ich den Trip zum Gap of Dungloe auf eigene Faust zu unternehmen. Die Straßen sind typisch irisch, schmal und gewunden. Man wird neugierig von Schafen beäugt und fährt durch eine unglaublich, atemberaubend schöne Landschaft. Auch hier gilt allerdings wieder: Haltet an wenn wir aus dem Fenster gucken wollt. Man muss sich wirklich zu 100% auf die Straße konzentrieren, auf die unvorhersehbare Straßenführung, Schafe, Radfahrer und natürlich andere Autos.

Kenmare und der Kenmare Stone Circle

Unser Bed and Breakfast lag ganz in der Nähe von Kenmare, einem kleinen Ort mit 2,175 Einwohnern und nach einem langen Tag und viel Regen, haben wir uns ein Taxi gerufen und uns zu einem netten Restaurant fahren lassen, etwas gegessen und im Anschluss ein paar Pubs erkundet.

Kenmare ist nicht sonderlich groß und hat mir wirklich gut gefallen. Es ist zwar touristisch angehaucht, aber lange nicht so voll und gut besucht wie Killarney. Der Taxifahrer hat uns auf den Kenmare Stone Circle aufmerksam gemacht, welchem wir an unserem letzten Tag einen kurzen Besuch abgestattet haben. Der Kenmare Stone Circle ist der größte seiner Art im Südwesten Irlands und weist darauf hin, dass die Gegend schon zur Bronze Zeit (2,200–500 v.C.) besiedelt war. Der Eintritt kostet nichts, wer mag, kann allerdings eine kleine Spende da lassen. An einem kleinen Baum hängen Zettel mit Wünschen, die von Besuchern dort aufgehängt werden können.


Der Killarney National Park ist auf jeden Fall einen Besuch wert, allerdings würde ich euch empfehlen nicht zur Haupttouristensaison dort aufzuschlagen. Sommer in Irland heißt nicht automatisch gutes Wetter und Sonnenschein, gutes Wetter kann man auch im Frühling oder Herbst erwischen.

Zum Abschluss gibt es noch ein Bild, welches am letzten Abend entstanden ist. Ich wollte umbedingt noch ein Foto vom Upper Lake machen. Es gab dort einen tollen Aussichtspunkt, an dem wir zuvor noch nicht angehalten haben, da er jedes Mal von Touristen besiedelt war. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, waren die Millionen ‘midges’, kleine, nervtötende Fliegen, deren Biss ganz schön wehtut. Wir haben es gerade so geschafft für das Foto sitzen zu bleiben und sind gleich danach zurück zum Auto gestürzt, um den Bissen zu entkommen.

 

 

 

Categories: IrlandUnterwegs

2 Comments

Abseits der Touristenpfade: Rossbeigh – Einmal Ausland, immer Ausland · 11. September 2017 at 21:11

[…] Ring of Kerry erkunden (Killarney, der Killarney National Park, Dingle, das Kerry Dark Sky Reserve und Valentia Island liegen alle unter einer Stunde Fahrzeit […]

Ring of Kerry: Skellig Michael – Einmal Ausland, immer Ausland · 23. November 2017 at 20:21

[…] in meinen letzten Beiträgen über den Ring of Kerry (Teil 1 | Teil 2) zu lesen war, hatten wir leider kein Glück mit dem Wetter und so hat es auch an dem Tag, […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related Posts

Irland

Wandern in Irland: Knocknarea

Strandhill ist einer meiner Lieblingsorte in Irland, die Stadt ist zwar nicht besonders groß, jedoch hat man alles was das Herz für ein Wochenende außerhalb des Großstadtdschungels begehrt. Dieses Jahr war ich zwei Mal dort, Read more…

Irland

Wandern in Irland: Knocknacloghoge (Lough Dan)

Dieses Jahr ist das Wandern definitiv zu kurz gekommen bzw. haben wir nur eine paar kleinere Wanderungen in und außerhalb Dublins unternommen. Um dem Blog mal wieder etwas Leben einzuhauchen und meine Wanderlust wieder zu Read more…

Europa

Obrigada, Lisboa – ein Travelguide

2018 steht unter dem Motto ‘Europa erkunden’. Nachdem wir zu Weihnachten Südkorea und Australien unsicher gemacht haben, stehen in diesem Jahr kürzere Trips innerhalb Europas auf dem Plan. Im März waren wir in London, letzte Read more…